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10 Jahre Kulturbunt

 

Ein Interview mit den
vier alten und neuen Vorsitzenden

Von Angelika Silberbach

„Frauen sind einfach kreativer“

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Aufgepasst! Kulturbunt feiert sein zehnjähriges Bestehen. Auf das Jubiläums-Wochenende freuen sich die ehemaligen Vorsitzenden (von rechts) Karin Wengerter und Heide Gerlach-Hirt, die jetzige Vorsitzende Barbara Stross und Annemarie Fell.
Die Hammelburger Kulturinitiative kulturbunt feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Jubiläumswochenende vom 22. bis 24. Juni. Zehn Jahre kulturbunt, das heißt: 30 Programmhefte sind erschienen und es wurden 100 Veranstaltungen an 40 verschiedenen Orten durchgeführt. Das Konzept, Kino, Kleinkunst und Kabarett an nicht alltäglichen Orten zu organisieren, ist aufgegangen. Die Liste der originellen Aufführungsorte ist lang und kaum mehr zu toppen: vom Frisiersalon über die Obstabteilung eines Supermarktes, von der Schalterhalle einer Bank bis zur Reifenwerkstatt. Nicht zu vergessen die Lesung im fahrenden Zug, die Winter-Open-Air-Kinos oder die Venezianischen Nächte mit einer echten Gondel auf dem Weiher. Die ehemaligen Vorsitzenden Karin Wengerter, Heide Gerlach-Hirt und Annemarie Fell sowie die jetzige Chefin Barbara Stross berichten über Höhepunkte, Publikum und Wünsche.

Frage: Zehn Jahre kulturbunt – welche Veranstaltung war Euer Höhepunkt?

Heide Gerlach-Hirt: Die beiden Kabarettabende mit Urban Priol, denn er entpuppte sich als umgänglicher Künstler ohne Starallüren.

Annemarie Fell: Der Literaturabend Poe + Co bei Kerzenlicht und Nebelschwaden mit dem meisterhaften Erzähler Jochen Schneider im Bocksbeutelkeller.

Karin Wengerter: Das Fest an der chinesischen Mauer. Unsere Deko, die Schausteller und unser Speiseangebot, es war einfach perfekt.

Barbara Stross: Kabarett mit dem Klavier spielenden Arnim Töpel, ein ganz sympathischer Typ. Mein eigentliches Höhepunkt ist jedoch mein geliebtes Programmkino.

Gab es auch einmal ein ganz persönliches Desaster?

Stross: Die Absage der zweiten Spanischen Nacht.

Fell: Als unser mit einer Wärmflasche beheizter Beamer bei der Winter-Kinovorführung im Beichel-Hof bei minus 15 Grad schlapp machte.

Gerlach-Hirt: Der komplette Stromausfall bei Arnulf Rating im Rathauskeller, da wurde mir ganz heiß.

Wengerter: Dass es an unseren Vorführungsorten oft zu kalt war, ansonsten fällt mir nichts ein.

Wer kam auf die Idee, kulturbunt zu gründen?

Stross: In München sah ich vor gut zehn Jahren den Kabarettisten Horst Schroth. Ich war total begeistert und dachte, so ein Abend müsste doch auch bei uns möglich sein. Ich hinterließ meine Telefonnummer und fragte, ob er sich vorstellen könnte, auch in kleineren Städtchen wie Hammelburg aufzutreten. Er rief mich an und sagte, kein Problem, wenn er seine Gage bekommt.

Wengerter: Zeitgleich hatten Heide und ich das Bedürfnis nach besserer Koordination der Hammelburger Veranstaltungen und wollten selber aktiv werden. So kam der Stein ins Rollen.

Von Anfang an waren überwiegend Frauen mit im Vorstand. Wie kam das?

Stross: Bei unserer Gründungsversammlung haben sich eigentümlicherweise nur Frauen wählen lassen. Es waren auch Männer da, aber sie wollten nicht kandidieren.

Gerlach-Hirt: Ich kann mich erinnern, dass wir mit unserer spontanen Organisation von Veranstaltungen vor Ort oft die uns helfenden Männer verschreckt haben.

Fell (lachend): Frauen sind einfach kreativer und kommunikativer.

Kommen immer dieselben Leute zu euren Veranstaltungen?

Stross: Es gibt einen Stamm von treuen Gästen und ein ganz besonders kulturbunt-treues Ehepaar, das aber namentlich nicht genannt werden will. Durch unsere wechselnden Lokalitäten erobern wir aber auch immer neues Publikum.

Wengerter: Es kommen vermehrt Leute auch aus dem Bad Kissinger und Bad Brückenauer Gebiet.

Fell: Mich erstaunt, dass es immer noch Menschen in Hammelburg gibt, die uns nicht kennen.

Wenn Ihr einen Wunsch frei hättet, was würdet Ihr euch wünschen?

Wengerter: Eine Stomp-Aufführung in einer Fabrikhalle. Stomp steht für Musiktheater, das nur aus Rhythmus besteht.

Gerlach-Hirt: Eine Art festen Veranstaltungsort wie das Wasserhaus, wo wir die Technik und die Küche vor Ort hätten und keine Stühle mehr schleppen müssten.

Fell: Wieder einmal ein großes Fest wie die Venezianische Nacht oder das Fest an der Chinesischen Mauer.

Stross: Ich möchte den Preis beim Bayerischen Rundfunk Brettlabend gewinnen. Kulturinitiativen bekommen dann einen Kabarettisten ihrer Wahl für eine Aufführung gezahlt.

Wurde euch kulturbunt mal zu viel?

Stross: Ich war schon in anderen Vereinen im Vorstand tätig, aber nirgends hat es mir so viel Spaß gemacht wie bei kulturbunt. Es ist einfach klasse, gemeinsam Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen. Nächstes Jahr planen wir übrigens einen Poetry-Slam (Gedichtwettbewerb) – und solange uns die Ideen nicht ausgehen und die Leute zu uns kommen, machen wir weiter.

Main Post vom 9.6.07



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