Christoph Sieber - "Sie haben mich verdient"
Main-Post vom 5.5.08
Kabarettist Christoph Sieber: Feinste Poesie und schärfste Pointen
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Aber auch mucksmäuschenstill wird es im Saal, wenn er zwischendurch ernsthaft wird. Zum Beispiel, wenn er einen Hartz-IV-Empfänger spielt. Oder einen Hölderlin-Text vorträgt. So nebenbei, so aktuell, dass man kaum glauben mag, dass das aus dem Jahr 1798 stammt: Alles, was ohne Liebe geschieht, taugt nichts.
Der Kabarettist Sieber liebt seinen Beruf sicher sehr, denn er bringt hervorragende Qualität auf die Bühne. Mit seinem Programm „Sie haben mich verdient“ bringt er feinste Ironie und schärfste Pointen ohne eine Spur von Menschenverachtung. Wie er in die Kurven von Ernsthaftigkeit zum Gelächter segelt, ist ein Genuss, was dieser Mann mit seiner Zunge alles machen kann, ist sehenswert.
Er streift alle Themen in den Niederungen des Alltags, ohne beliebig zu werden. Er spielt mit politischen Themen, jongliert dabei, berührt China und Tibet, das Fernsehprogramm, den Technikwahn und die Geburtenrate und bleibt dabei immer glaubhaft. Und zwischendurch wachsen aus seinem beweglichen Gesicht andere Personen, zum Brüllen komisch.
Der Künstler Sieber, der sowohl Pantomime als auch Schauspiel studiert hat, spielt mit vollem Körpereinsatz, er verwandelt sich von Biolek in Boris Becker, von Michael Glos in Reich-Ranicki, er ist Bundesadler, Fisch, Echse, Mann und Frau, er macht unsichtbare Wände sichtbar und hebelt kurzzeitig die Schwerkraft aus. In Zeiten, in denen „die Leute drei Handys haben, aber nichts mehr zu erzählen“, kommt Siebers atemlose Bühnenkunst besonders gut an. Dank der Geschmackssicherheit der Programmgestalterinnen von Kulturbunt auch in Hammelburg.
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